Epoche der völligen VerAPPelung

Stockfotos zeigen es eindrücklich: In allen Startups wird rund um die Uhr gelächelt. Das mag am Feelgoodmanagement oder der freien Arbeitsgestaltung liegen. Freiheit ist dabei nicht mehr als geregelte Arbeitszeit mit Feierabend zu verstehen; sondern als die Freiheit, sich in genau jenem Startup zu verwirklichen, in dem man gerade „wirkt“; von Arbeiten wird hier individuell nur nach Bedarf gesprochen. Zum Beispiel gegenüber den Kunden. Erwarten diese allerdings nur noch die Essenz von Kreativität, wird Arbeit überflüssig. Was für ein Glück wenn eine Institution gefunden wird, die den persönlichen Ansprüchen bei der Einstellung gerecht wird! Klappt das nicht, kann man sich immer noch in unangenehme Wirkbereiche hineincoachen lassen.

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Zeitgenössisches Stockfoto-Stillleben: Die Geräte werden immer größer, folglich müssen sie dann bald wieder kleiner werden.

Arbeit, welche von Arebit (Qual, Last, Mühe) herrührt sollte mit humanistisch-optimistischen Anstellungen nun mindestens gar nichts mehr zu tun haben. Findet sich die passende Stelle nicht, macht man offenbar etwas falsch. Durch die Qual zu gehen kann hier auch keine Option sein, wurde diese doch spätestens mit der Netzgesellschaft abgeschafft. Folgerichtig stellt sich nur die Frage: Wie optimiert man sich in diese Anforderungen hinein? Welche privaten Lebensbereiche müssen dabei so verformt werden, dass dies gelingt? Trotz allem Wollen und aller Ambivalenz der zugespitzten Moderne wird das Eis für diese Idiologien dünn; Eine einfache Milchmädchenrechnung erklärt: der Markt ist nach der Verfolgung hipper, pfadabhängiger Wirtschafthandlung zunehmend gesättigt.

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Stockfoto-Szenario: Jugendliche sortieren ihre bildlichen Gedanken bereits App-Effizient. Manchmal nett für den Kalender, häufig Schmerzhaft in der Lebenswirklichkeit. 

In allen Epochen wurden jeweilige Neuheiten als besondere Entwicklung enttarnt. Die meisten Änderungen entpuppten sich selten als Transformation und verpufften in der Regel so schnell, wie sie entstanden sind. Auch heute drängen genannte Trends sich auf, diskutiert zu werden.

Also weiter: In welches Paradies können später all diejenigen gerettet werden, die bereit sind ihr Leben bis ins Kleinste an solchen Mustern auszurichten, wenn entsprechende „Neuheiten“-Berufe sich als langweilige, tradierte Alltagspraktik herunternivelliert haben? -Ein Szenario das für Akteure der new economy abwegiger kaum sein könnte.

Das Mittel dieser Gruppe lässt sich mit Innovation relativ eindeutig betiteln; als schillerndes Wort verwandt für alles was toll und neu ist und alles was irgendwie doch nicht so gut klappt. In letzterem Falle wird Innovation als Lösung herbeigewünscht. Sie macht sich als werbewirksames Zweiergespann gut neben Nachhaltigkeit jeweils in hipper Typographie angemessen abbilden. Wäre jedoch alles Innovation, was auf den landläufigen, unzähligen Bannern, Logos und Portfolios steht, würden folglich all diese Institutionen merkbar alltagspraktisch Anwendung finden. Das dies in der Regel nicht der Fall ist und nur eine Handvoll grundsätzlich unterscheidbarer Dienste täglich von den meisten Menschen benutzt werden, verweist auf die Fehldeutung von Innovation. Es ist nicht irgend eine beliebige, fixe neue Idee oder etwa ein etabliertes Appleprodukt, sondern vornehmlich eine soziale, kulturelle, technische oder prozesshafte Neuheit, die breit in die Gesellschaft diffundiert ist und damit von weiteren Akteueren adaptiert wurde.

finger-812112_1920Stockfotos machen es vor: Innovation scheint etwas zu sein, dass man wollen sollte. 

Machen wir es kurz: Die meisten kleineren Institutionen die aufpoppen und zeitweise nach ihren Idiologien wirken, schaffen niemals Innovationen. Im Gespann mit Nachhaltigkeit ergibt sich ein lächerlich-groteskes Bild.

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Ein Gedanke zu “Epoche der völligen VerAPPelung

  1. Die Verschmelzung von Mensch & Maschine steht so in den nächsten 50 Jahren an. Es wird bald keinen Sinn mehr machen, überhaupt zwischen Mensch & Maschine zu unterscheiden. Menschine wird es heißen und jeder wird es haben (sein?) wollen.

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